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Lest tschechische Literatur! Ein Interview mit Zsuzsanna Hahn Juhászné

Németh Nikolett
Juli 12, 2016

Lieber Leser,

wir bringen eine Interviewreihe auf den Weg, um Ihnen das Team der Language Experts Group vorzustellen. Die Menschen sind verschieden, was für uns ganz besonders gilt, und dadurch wird diese Reihe – so hoffen wir – eine interessante Lektüre. Als Erstes haben wir uns mit Zsuzsanna Hahn Juhászné unterhalten, die seit 2009 bei uns arbeitet. Sie hat uns über Vendor-Management, die zeitgenössische tschechische Literatur und literarisches Übersetzen berichtet.

Gibt es ein Zitat, mit dem Du diesen Beitrag beginnen möchtest, in dem es um Dich geht?

„Ich aber wusste, dass mich der Vizebraumeister nicht liebt und nicht eine, sondern sogar fünf Pinten Bier oder noch mehr dafür geben würde, wenn ich es nur trinken würde und die Arbeiter sehen würden, was für eine trunksüchtige Frau der Verwalter doch hat. Nur dass ich jung war und damit über allem stand; was ich auch tat, ich fragte zuerst immer mich selbst, ob es richtig ist, und nickte mir innerlich zu, und dieses erste Nicken, diese Zustimmung ging mir, wie die Mahnung meines Lehrers, die irgendwo bei meinem Herzen in mir war, gleich ins Blut über, und ich streckte meine Hand aus und nahm einen ordentlichen Schluck davon, mit einem Genuss, dass die Fuhrleute, die die Fässer aufluden, innehielten." (Aus der Erzählung „Das Haaropfer" – Postřižiny – von Bohumil Hrabal; Zitat aus dem Ungarischen übersetzt von P. Dietlinde Draskóczy)

Welche Position bekleidest Du in der Firma?

Ich bin Vendor-Managerin, das heißt, ich suche neue Zulieferer und teste sie. Auch über die Übersetzer, die bereits für uns arbeiten, erstellen wir möglichst regelmäßig Bewertungen, um so ein einheitliches Bewertungssystem aufzubauen. Es ist also meine Aufgabe und liegt in meiner Verantwortung, zu gewährleisten, dass wir mit einem immer größeren und immer professionelleren Stab zusammenarbeiten und stets eine geeignete Fachkraft für die jeweilige Aufgabe verfügbar ist.

Was war die ungewöhnlichste oder interessanteste Arbeit, die Du verrichtet hast, bevor Du zur Language Experts Group gekommen bist?

Davor habe ich auch bei einer anderen Übersetzungsagentur gearbeitet, außerdem in einem Reisebüro, in einem Callcenter und in einer Buchhandlung. Am meisten aus dem Rahmen fällt wohl das halbe Jahr, in dem ich in einem Kindergarten beschäftigt war.

Welches sind die ersten drei Dinge, die Du tust, wenn Du morgens im Büro ankommst?

Zuerst einmal freue ich mich, die anderen zu sehen, da ich nur einmal pro Woche im Büro bin. Ich bin in der glücklichen Lage, dass meine Position es nicht erfordert, dass ich jeden Tag in die Stadt fahre, und dadurch kann ich auch meinem Hobby etwas Zeit widmen. Also zuerst unterhalte ich mich mit den Kollegen, dann sehe ich meine Korrespondenz durch, und dann unterhalte ich mich noch ein bisschen.

Mit wem würdest Du in der Firma für einen Tag den Arbeitsbereich tauschen, wenn Du könntest?

Ich habe früher als Projektmanagerin gearbeitet und war vor dem Mutterschutz sogar ein Jahr lang Projektleiterin für Großkunden, würde also jederzeit gerne mit den Projektmanagern tauschen. In den Arbeitsbereichen der anderen dagegen könnte ich mit meinen derzeitigen Kenntnissen nicht bestehen.

Mit welchen 3 Wörtern würdest Du das Team beschreiben?

Kreativ, leidenschaftlich, professionell.

Und Dich selbst?

Das ist schon schwieriger. Ich sage mal, dass ich mich bemühe, mich hinsichtlich der genannten 3 Eigenschaften an das Team anzupassen.

Was war bisher die größte Herausforderung bei Deiner Arbeit in dieser Firma?

Die größte Herausforderung war die Zeit, in der ich als Projektleiterin für Großkunden meinen Mann stehen musste. Ich glaube, das ist mir deshalb gelungen, weil meine Kollegen mir bei meiner Arbeit mit allem geholfen haben, wofür ich ihnen nach wie vor sehr dankbar bin. Und diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass ich meinen Wechsel in die neue Position nicht mehr als Schwierigkeit oder Hürde, sondern als gute Gelegenheit dafür erlebt habe, das Vendor-Management eigenverantwortlich so zu gestalten, dass es sich für die LEG als optimal erweist. Daran arbeite ich auch weiterhin.

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Was gefällt Dir am besten an dieser Firma?

Die Flexibilität, die Kreativität und die Art, mit zu lösenden Problemen umzugehen. Ich habe hier sehr viel gelernt und möchte noch viel mehr lernen.

Welches war Dein Lieblingsprojekt?

Es war nicht mein Lieblingsprojekt, aber es ist mir sehr im Gedächtnis geblieben. Wir hatten vor Jahren, als ich noch Projektleiterin für Großkunden war, ein eiliges Projekt, das wir nur rechtzeitig zum Abschluss bringen konnten, indem wir alle Überstunden gemacht und sogar an den Wochenenden gearbeitet haben. Das kommt nicht oft vor, aber damals haben alle klaglos ihren Teil der Arbeit übernommen und sich redlich abgemüht, sodass wir das Projekt fristgerecht abliefern konnten. Es gehört zu den Vorteilen der LEG, dass nach einem solchen Projekt auch das verdiente Feiern nicht zu kurz kommt.

In die Rolle welcher fiktiven Person würdest Du schlüpfen, wenn Du könntest?

In die der Maryška aus dem „Haaropfer". Wobei sie nicht ganz fiktiv ist, denn Hrabals Vorbild für sie war seine Mutter.

Welche Arbeit würdest Du Dir aussuchen, wenn Du für einen Tag eine andere Arbeit verrichten könntest?

Ich wäre Vollzeitliteraturübersetzerin.

Welcher Aspekt Deines Aufgabenbereichs gefällt Dir am besten?

Es gefällt mir, dass er abwechslungsreich ist, viele verschiedene Teilaufgaben umfasst, dass ich mit vielen verschiedenen Menschen zu tun habe, aber auch, dass ich meine Aufgaben zumeist in normalem Tempo erledigen kann und ab und zu einen spannenden Spurt einlegen muss.

Was interessiert Dich außer der Arbeit? Hast Du ein Hobby?

Ja, ich übersetze zeitgenössische tschechische Prosa. Bisher habe ich zwei Bände mit Übersetzungen veröffentlicht: Novellen von Petra Soukopová mit dem Titel „Verschwinden" (Zmizet) und „Ein Mann" (Je jeden muž) von Dora Kaprálová. Derzeit arbeite ich an der Übersetzung des Romans „Die Geschichte des Lichts" (Dějiny světla) von Jan Němec.

Welche Charakterzüge schätzt Du an anderen?

Ehrlichkeit und Kreativität, Begeisterung und das, worum es in dem Zitat aus dem „Haaropfer" geht. Das beschreibt nicht mich, denn ich bin, glaube ich, weniger mutig, aber ich mag solche Menschen.

Was war das beste Buch, das Du je gelesen hast?

Ich liebe Bohumil Hrabals „Das Städtchen, in dem die Zeit stehenblieb" (Městečko, kde se zastavil čas), aber auch „Der weiße König" (A fehér király) von György Dragomán, „Hundert Jahre Einsamkeit" von Gabriel García Márquez, „Reise im Mondlicht" (Utas és holdvilág) von Antal Szerb, „Eine altmodische Geschichte" (Régimódi történet) von Magda Szabó oder „Jenseits von Eden" von John Steinbeck kann ich sehr empfehlen. Und lest tschechische Literatur!

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Zsuzsi, Ilcsi, Bogi und Lea sitzen auf der Terasse des Restaurants "Vitorlás Étterem" in Balatonfüred.