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Fünf Dinge, die mich das Vendor Management gelehrt hat - Zsuzsanna Hahn Juhászné

Németh Nikolett
November 17, 2016

Vorausschicken möchte ich, dass ich vom Projektmanagement zum Vendor-Management gekommen bin. Meine früheren Erfahrungen in der Kontaktpflege mit Lieferanten halte ich für sehr wichtig in dieser Position, weil ich wissen musste, auf welchem Gebiet so schnell wie möglich neue Lieferanten gesucht werden müssen und wie ein Test aufgebaut sein muss, aus dem sich die Eignung des Bewerbers zur Zusammenarbeit ergibt. Trotzdem habe ich Überraschungen erlebt, aus denen ich viel lernen konnte.

zsuzsi krisztián

1. Auch negatives Feedback ist wichtig

Anfangs bereitete mir die Kommunikation negativer Kritik Schwierigkeiten, da mir Konfrontationen unangenehm sind. Es gehört jedoch zu meinen Aufgaben, Bewerbern ihr Testergebnis mitzuteilen und gelegentlich auch bestehende Lieferanten zu bewerten. Dieser Aufgabenbereich verursacht vielleicht den größten Stress, aber inzwischen weiß ich auch, wie wirklich professionelle Übersetzerinnen und Übersetzer auf Kritik reagieren und wie die Reaktion von Freiberuflern ausfällt, bei denen es nicht schade ist, die Zusammenarbeit zu beenden. Das Bewerten fällt mir auch heute noch nicht leicht, es ist jedoch außerordentlich wichtig, dass unsere Übersetzerinnen und Übersetzer zu ihrer Arbeit Feedback erhalten. Dies wird von Profis nicht nur sehr geschätzt, sondern wir können damit auch die Leistung unserer Lieferanten immer besser beurteilen.

2. Administrative Aufgaben als notwendiges Übel

Zu meinen Aufgaben als Vendor-Managerin gehört auch das Management der Verträge mit neuen Übersetzerinnen und Übersetzern. Früher habe ich mich nur ungern mit solchen Verwaltungs- und Büroarbeiten befasst, aber mit Unterstützung durch unsere Büroleiterin Márti bewältige ich das jetzt auch, so dass dieser Bereich seinen Schrecken verloren hat und ich mich schon alleine an die Aufgaben heranwage.

3. Persönliches Kennenlernen der Übersetzerinnen und Übersetzer auf Konferenzen

In dieser Position hatte ich Möglichkeiten zur Teilnahme an Übersetzerkonferenzen, wo ich bemerkenswerte Menschen kennenlernen und sehr interessante Vorträge hören konnte. Da man mich nicht gerade als extrovertiert bezeichnen könnte, boten diese Veranstaltungen gute Gelegenheiten, nicht nur vor dem Monitor sitzend mit Fachkräften verschiedener Nationalitäten und unterschiedlichen Fachbereichen und Interessen zu kommunizieren, sondern sie auch persönlich zu treffen. Ich habe sehr sympathische Menschen kennengelernt. Eines der Schlüsselerlebnisse war unter anderem das Speed-Networking im Rahmen des Translation Business Day 2015 in Budapest. Bei der PB16-Konferenz in Prag konnte ich in den Gesprächen auch meine englischen Sprachkenntnisse anwenden. Dort ging es nicht nur um Fachthemen, sondern auch um Fragen wie Zeiteinteilung und optimale Ausnutzung der 24 Stunden des Tages oder wie man Vorträge hält und wozu man die sozialen Medien nutzen kann.

4. Interkulturelle Kompetenzen im Umgang mit Menschen

Als Vendor-Managerin stehe ich mit einem großen Kreis an Fachübersetzern in Kontakt und habe bereits mit Freiberuflern für Übersetzungen in die unterschiedlichsten Sprachen korrespondiert, wie Hindi, Türkisch, Koreanisch, Arabisch, brasilianisches Portugiesisch und kanadisches Französisch. Meine interkulturellen Kompetenzen zur Kommunikation mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen musste ich mir bereits beim Projektmanagement aneignen und habe auch in meinem gegenwärtigen Aufgabenbereich hinreichend Gelegenheit, diese einsetzen. Es ist sehr interessant, die Unterschiede zwischen den einzelnen Kulturen zu erleben.

5. Gute Preisverhandlungen sind ein Muss

Zu meinen Aufgaben gehören auch Preisverhandlungen, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich darin jemals Erfolg haben würde. Davor hatte ich ziemlichen Respekt, denn es gibt Sprachen, bei denen es sich gute Fachkräfte tatsächlich erlauben können, im Vergleich zu den übrigen Sprachen deutlich höhere Preise zu verlangen. In solchen Fällen versuche ich zwar auch, neue Lieferanten zu finden, aber die beste Lösung ist eine Einigung mit bereits bewährten Übersetzern. Die Preisverhandlungen müssen sehr höflich geführt werden und zum Glück sind die Freiberufler dann in den meisten Fällen kompromissbereit. Auch in diesem Bereich gilt: Übung macht den Meister.

 

Da Zsuzsi in Kürze zum dritten Mal Mutter wird, geht sie für einige Zeit in Urlaub.

Unser Interview mit ihr finden Sie hier.